Es ist nicht alles digital, was glänzt! Eine Hommage an die Brave Old World.

Es ist nicht alles digital, was glänzt! Eine Hommage an die Brave Old World.

Wer heute seinen Newsfeed auf Linkedin durchscrolled wird erschlagen von Artikeln und Blogposts von Digital Evangelisten, Innovations Coaches und Agilen Transformation Managern. Sie alle propagieren alle das Gleiche: Disruption, Digitalisierung, Demokratisierung, Deregulierung und natürlich die Nummer 1: Die Digitalisierung zur “Chefsache” machen.Klingt richtig toll. Doch vielleicht könnten wir vom Digi-Disrupt -Agile-Transform Buzz einen Gang runter schalten. Denn was steckt tatsächlich hinter den Schlagwörtern? Und sind Konzerne plötzlich wirklich so schwerfällig, dass Innovationen nur mit einer kulturellen Revolution möglich sind? Wer innoviert hier überhaupt? Und was ist die Alternative zur kompletten Disruption?

 

Ersetzt ‚Digitalisierung‘ durch ‚Gulaschsuppe‘

Wenn heute von digital und analog die Rede ist, dann ist das Digitale immer das Neue, und das Analoge war schon vorher da. Diese pointierte Aussage stammt von der Schriftstellerin Katrin Passig, die auch treffend empfohlen hat, das Wort “Digitalisierung” mit “Gulaschsuppe”  zu ersetzen.

Denn zu oft kaschiert das Wort einen banalen Sachverhalt. Sie empfiehlt daher, immer dann, wenn das Wort „Digitalisierung“ fällt, nach dem konkreten Sachverhalt zu fragen, damit ein wirklicher inhaltlicher Austausch stattfindet.

Eine provokative Aussage, die letzten Endes nur eines bedeutet:

Die Identifikation konkreter Verbesserungsmaßnahmen, die Unternehmen umsetzen müssen, wenn sie auch in Zukunft noch eine Rolle spielen wollen.

Verbesserung entsteht auch aus Innovation. Doch der populäre Glaube, dass die meisten Innovationen von Studienabbrechern im Silicon Valley in Garagen ertüftelt werden ist scheinbar falsch.

Zumindest für die USA:

Mit 47 fängt das innovieren an!

Wie eine Studie aufzeigt, ist das Median Alter von technischen Innovatoren 47 Jahre bei der Erfindung.

Die Innovatoren hatten zu diesem Zeitpunkt schon ein tiefes Verständnis der Materie. Ein grosser Teil der Innovation in den USA ist zudem getrieben über Leute die eingewandert sind. Frauen sind aktuell sehr stark untervertreten. Oder mal auf den Punkt gebracht:

12.05

 

Aber mit 52 ins Start Up gehen, kann auch mal in einem #epicfail enden.

Den Master in der Tasche und jetzt noch schnell die Welt retten.

Für viele Absolventen bieten Start Ups eine Alternative zum Müssiggang der Konzernzentralen. Bloss keine Zeit verlieren, einer grossen Sache dienen. Junge motivierte Kollegen, Grüne Wiesen, Blue Oceans!

Denn “entweder gebe ich Vollgas oder setze mich zur UBS“, wie es Dennis Just, Gründer der Knip AG, im NZZ Interview ausdrückt.

Aber wie empfindet ein erfahrener Newsweek Journalist, der mit 52 Jahren in einem der heissesten Start Ups der amerikanischen Ost Küste anheuert, wo im Durchschnitt alle Kollegen halb so alt sind?

Wenn man hier ankommt, schreibt Lyons, fühlt man sich, als ob man auf einer einsamen Insel gelandet ist, auf der die Einwohner seit Jahren in Isolation leben, eigene Regeln, Religion, Sprache, Rituale etabliert haben und sich so ihre eigene Realität geschaffen haben.

Daraus entstand ein äusserst amüsantes und kritisches Buch über seine knapp 1 1/2 Jahren, die er als Marketing Fellow bei Hub Spot verbrachte. Und schliesslich entlassen wurde.

 

 

Keine Plattituden mehr: Die Plattform Revolte

Plattformen! Das ist also die Lösung. Die Disruption des grossen Mannes ist scheinbar nicht die exzentrische Neuerfindung seiner selbst, sondern die Transformation hin zu einer Plattform. Dessen interdependente Nutzer kreeieren ein Netzwerk, das die drohende Redundanz des betroffenen Konzerns verhindern soll.

Vivek Wadhwa  von der Stanford Universität drückt es so aus:

“Um eine Plattform zu bauen benötigt es eine Vision, aber keine Zukunftsvorhersage. Man muss nur verstehen, dass eine Möglichkeit besteht statt eines kleinen Ladens ein ganzes Einkaufszentrum zu bauen und den Zugang dazu möglichst einfach und flexibel zu gestalten.”

Die Plattform als Transformationsziel befreit Konzerne so vom Disrupt-Or-Die Dogma.

In einem Gespräch mit Wallstreet Analysten brachte es die IBM CEO Ginni Rometty auf den Punkt: “We are becoming a cognitive solutions and cloud platform company”.

Keine schlechte Sache, auch wenn IBM’s Umsätze ihrer neuen Geschäftseinheiten noch nicht so schnell wachsen wie die Umsätze ihrer alten Geschäftsfelder einbrechen.

Oder man nehme Microsoft: Sie connecten gemeinsam mit Toyota Autos und bieten auf Ihrer Cloud Blockchain as a Service.

 Digital Transformation

 Cut the noise. Lets talk cases!

Schweizer Konzerne haben in den vergangenen Jahren tolle Innovationen und Plattformen geschaffen, und das teilweise mit einem partnerschaftlichen Zusammenschluss. Das zeigen Siroop, der Online Marktplatz von Coop und Swisscom. Oder Paymit, die von SIX entwickelte Bezahlapp, die von UBS, Raiffeisen und vier weitere Kantonalbanken genutzt werden und auf dem besten Weg ist, sich als Standard zu etablieren. Gleichzeitig unterstützen Initiativen wie Work Smart Unternehmen darin, den notwendigen Shift von starren hin zu agilen Arbeitsbedingungen zu erreichen.

Wir haben also signifikante Cases auf die Beine gestellt.

Könnten wir daher auch vorsichtiger mit den Begriffen werden und nicht immer gleich wage von Digitalisierung schreien, sondern wirklich die Unterschiede klar machen? Nicht nur sagen, dass es ändert sondern auch Thesen aufstellen und überprüfen zu „was sich warum“ ändert?

Neben dem wichtigen Fokus auf neue und junge Start Ups, sollten wir auch unsere erfahrenen Mitarbeiter unterstützen. Gerade in Bereiche, wo viel Expertise notwendig ist, können ihre Ideen helfen neue Innovationen zu ermöglichen.

Eine Legende sagt, dass Albert Einstein öfters mal in seinen Klausuren an seine Studenten identische Fragen aus Vorjahresklausuren gestellt hat. Auf die Anmerkung eines Studenten, warum sie die gleichen Fragen bearbeiten sollen antwortete dieser, dass zwar die Fragen gleich blieben, aber die Antworten sich über die Zeit ändern.

Womit wir diesen Beitrag mit einer Frage an Euch, werte Community, schliessen können:

Welche Analogien des Old Business stecken eigentlich im digitalen New Business?

[Anm. d. Autors: Dieser Artikel entstand  zusammen mit Daniel Boos auf dem We<3ICT Blog.]

8 Tipps für einen gelungenen Corporate Blog Post

8 Tipps für einen gelungenen Corporate Blog Post

 

1 – Der unmittelbare Einstieg – Titel und Einstiegssatz

Schon der Titel sollte klar definieren, worum es geht, und auch als Teaser dienen, warum ein Einzelner den Beitrag lesen sollte (oder auch nicht). Hier ein Beispiel zum Thema Digitale Transformation.

Titel: Organisatorische Herausforderungen der digitalen Transformation

Einstiegssatz: “Die Digitalisierung stellt Unternehmen zunehmend vor neue Herausforderungen, die auch organisatorisch gemeistert werden müssen.”

Und so würde ich es empfehlen:

Titel: Warum haben wir Angst vor den Veränderungen der digitalen Transformation?

Einstiegssatz: “Jeder weiss es, aber keiner gibt es zu: Veränderungen sind anstrengend und wir haben keine Lust darauf. Doch wie sähe Deine Welt aus, wenn Veränderungen plötzlich zum Alltag gehören?”

 

2 – Inform, Educate, Entertain

Ein Blogbeitrag sollte mindestens zwei dieser Funktionen erfüllen – und gerade mehr als nur Unterhaltung sein.

 

3 – Reader vs Scanner

Du wirst immer zwei Sorten von Lesern haben. Zum einen solche Leser, die einen Artikel von Anfang bis Ende brav durchlesen, und zum anderen die berüchtigten Scanner. Letztere scrollen einen Artikel lässig mit ihrem Daumen auf dem Mobile und picken sich gezielt Informationen raus.

Du schreibst immer für Beide. Benutze daher Sub-Headlines, dessen Details dann im weiteren Fliesstext ausgeführt werden.

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4 – Eine Reihe von Blogs sagt mehr als 1000 Wörter

Tag und Nacht denkst Du an nichts anderes als die zauberhafte Welt der Internet der Dinge? Von all den faszinierenden Cases, Startups und auch Entwicklungen in Deinem Unternehmen? Und jetzt möchtest Du natürlich alles in einem Artikel verfassen?

Mach das nicht.

Überlege Dir lieber, wie Du daraus eine mehrteilige Reihe erstellst. Die Leser freuen sich auf die Fortsetzungen und werden nicht gleich erschlagen von Deiner Begeisterung.

 

5 – Sprich wie der Schnabel Dir gewachsen ist

“Aufgrund grosser Interdependenzen in starren Konzernstrukturen wächst der Anspruch nach umsetzbaren Kommunikationskanälen, die einen Dialog der beteiligten Parteien simplifizieren könnten. Dabei eignet sich die email nicht hinreichend und stellvertretend könnte unser Sharepoint Collab zur Effizienz beitragen.”

Hä? Was bitte?

Ach so, Du wolltest eigentlich folgendes zum Ausdruck bringen:

“In einem Konzern mit mehr als 20’000 Mitarbeitern wird viel und ständig miteinander kommuniziert. Warum nicht öfters chatten und auf unsere Collaboration Funktionen zurückgreifen statt bei jeder Kleinigkeit die Mailbox der Kollegen zu verstopfen?”

 

6 – Auftragen, Polieren

Keine Füllwörter. Keine Redundanzen. Maximal 480 Wörter.

Wann immer ich einen Blogpost verfasse, bin ich erst richtig zufrieden, wenn der finale Text keine 384 Wörter übersteigt. Diese Selbstrestriktion zwingt mich, auf Redundanzen und “Phrasen” wirklich zu verzichten und im Umkehrschluss einen möglichst griffigen Text zu verfassen.

Tatsächlich wirkt sich das so auch meistens auf den Textfluss aus. Lies diesen Abschnitt mal ohne die kursiven Wörter und urteile selbst!

Ein schöner Nebeneffekt: Die Sprache wirkt aktiv und verzichtet auf schwergängige Substantivierung.

Karate Kid

 

7 – Schreib Deine Meinung!

Als Experte berichtest Du über spannende Ereignisse und solltest unbedingt eine persönliche Note einfliessen lassen. Für alles andere gibt es aal-glatte Pressetexte.

 

8 – Schreib was Dein Herz begehrt.

Ganz gleich welches Thema Du wählst: Schreib in diesem Rahmen über das, wofür Du am meisten brennst. Den Anspruch der Vollständigkeit wirst Du niemals gerecht und es behindert Dein Story Telling. Verweise lieber auf weiterführende Bücher oder Artikel für den besonders interessierten Leser.

 

Und zum Schluss ein Buchtipp:

Einfach fantastisch und empfehlenswert.

Ann Handley

 

Bloggagement, Freibeiter oder Tinderesting. Ein spekulatives Glossar über unsere Sprache in 2017.

Bloggagement, Freibeiter oder Tinderesting. Ein spekulatives Glossar über unsere Sprache in 2017.

Die Zukunft verkommt zum Buzzwort.

Soweit ist es schon gekommen, wenn Gott und die Welt vor lauter Digitalisierungsparanoia sich in 10 Jahren schon im Endgame gegen Terminator und Robocop sehen.

Relaxed Euch. Alles wird gut. Vielleicht.

Was mich viel mehr interessiert ist unsere Ausdrucksweise. In unserer Sprache verschmelzen soziokulturelle Bewegungen entlang unserem immer stärker von der Technik beeinflussten Lifestyle.

Wie sollen wir uns in der “Zukunft” ausdrücken?

Diese Frage haben sich Helene von Schwichow und Salomon Hörler ebenfalls gestellt und starteten the2017.com als Projekt des Studiengangs Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation an der UdK Berlin.

2017
Helene von Schwichow und Salomon Hörler. Foto: Aljoša Židan

Dabei sammelten die beiden Studenten Begriffe, die noch nicht existieren, aber könnten, sollten, würden oder müssten. Daraus bildete sich eine Datenbank von über 12 000 Einträgen.

Dass der Ausblick nur ein Jahr in die Zukunft geht ist verständlich:

“Die alte Futurologie hat noch auf den dicken Roman und das komplexe Szenario gesetzt. Kein Wunder, sie gehört ja auch in ein anderes Medienzeitalter. Die Erforschung des Nächsten, wie sie das 2017-Projekt betreibt, hat nicht vom Buch – druck gelernt, sondern von Instantanmedien wie Twitter, Instagram und Snapchat, in denen die Beiträge immer nur kurz erscheinen, weil sie von neuen abgelöst oder sogar gleich ganz aufgelöst werden.”

Daraus entstand das spekulative Glossar, das Ihr unter the2017.com findet.

Vorab meine Favoriten:

Antividuell

Weder Mainstream noch Indie. Weder H&M noch C&A. Auch nicht P&C, Zara oder COS. Einfach anders als die anderen, die immer bloß anders als die anderen sein wollen.

BAMs

Best aging moms Mütter ü48.

Back-to-reality

Von Virtual Reality überwältigt, lautet das neue Erlebnisprogramm: Echtzeit genießen. Eine Rückbesinnung auf das Leben ohne Google Glass und Oculus Rift. Die Augen werden wieder dafür genutzt, Dinge in Echtzeit und ohne Second Screen zu betrachten.

Bloggagement

Macht deinen Blog zu Geld. Der Bloggager garantiert Unterstützung bei der Monetarisierung all deiner Posts.

Cloudlos

Zustand der vollkommenen Entkopplung.

Einländer

Menschen, die ihr Geburtsland noch nie verlassen haben.

Freibeiter

Festangestellt ist deine Mutter.

FaceCash

Facebook führt mit FaceCash einen neuen Weg der Bezahlung ein. Lieblingseis, Biomilch oder Laptop via Smartphone kaufen. Schluss mit nervigem Kleingeld und Kartenzahlung. Facebook wird zu einem noch besseren Freund.

Grundi

Ein Mensch, der bedingungsloses Grundeinkommen bezieht.

H-IP

Das sogenannte Human Internet Protocol steht auf jedem Personalausweis und auf der Geburtsurkunde aller Menschen, die seit dem 01.01.2016 geboren wurden. Die H-IP definiert deine digitale Persönlichkeit und ermöglicht es, die Metadaten der Vorratsdatenspeicherung direkt den richtigen Menschen zuzuordnen.

Instabang

Ja oder Nein? Chatten ist nicht mehr.

Livelife

Alles durch digitale Endgeräte Erfasste und in Echtzeit Gestreamte. Oder eine Lebensform. Dem Digitalen entsagend. Das Analoge präferierend.

LoverBlocker

Die Möglichkeit die/den Ex mit Hilfe einer App aus sämtlichen sozialen Netzwerken verschwinden zu lassen.

Noganer

Bewegung zumeist junger Leute, die davon ausgehen, dass man auch Pflanzen unnötige Schmerzen zufügt, wenn man sie als Essen zubereitet, etwa Korn mahlt, Erdbeeren pflückt oder Kartoffeln aus dem Boden reißt. Noganer verzichten deshalb nicht nur auf tierische, sondern auch auf pflanzliche Produkte jedweder Art.

Open-eyes Socialize

Rückgang der permanenten Smartphone Nutzung im Beisein anderer. Komplimente statt “likes”, Diskussionen statt “comments”, Umarmen statt „swipen“.

Me-You-Balance

Das Individuum steht an erster Stelle. Man muss auf die Me-You-Balance in Beziehungen achten, um noch genug Zeit für sich selbst zu haben.

Realisieren

Der Versuch, sowohl das virtuelle-, als auch das offline-Ich konsistent darzustellen und dabei beide zur Deckung zu bringen.

Schlipster

Auf den ersten Blick unterscheidet sich der Schlipster nicht von einem gewöhnlichen Anzugträger. Lediglich die Tatsache, dass er statt eines Aktenkoffers immer noch einen Jutebeutel über die Schulter hängen hat, verrät seine Vergangenheit.

Tingles

Jetset- und Yuccie-Singles auf digitaler One-Night-Stand-Jagd. Ihnen geht es um das schnelle Kennenlernen und vor allem um das bzw. den/die Nächste. Der kurze Nervenkitzel beim Offline-Treffen zählt, der Sex wird eher zur Nebensache.

Tinderesting

Man empfindet eine Person als tinderesting, wenn man sich mit ihr zwar eine gemeinsame Nacht vorstellen kann, sie aber zugleich für nicht dialogfähig hält.

VHS

Nach Vinyl feiert jetzt die VHS ihr großes Revival. Denn umständlich ist cool.